9. April 2026
Dietrich-Bonhoeffer-Klinik vor der Schließung
Dramatische Versorgungslücke droht
Die geplante Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Großenkneten-Alhorn bei Bremen zum 30. Juni 2026 hätte gravierende Folgen für die Versorgung abhängigkeitserkrankter Kinder und Jugendlicher. Mit dem Wegfall von 60 spezialisierten Therapieplätzen würde sich die ohnehin angespannte Situation dramatisch verschärfen. Bundesweit stehen derzeit nur etwa 85 stationäre Plätze für diese Patient:innengruppe zur Verfügung – nach der Schließung blieben lediglich rund 25 Plätze übrig.
Dem gegenüber stehen rund 200.000 betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland. Die Versorgungslücke würde sich damit massiv vergrößern. Bereits heute führen begrenzte Kapazitäten zu langen Wartezeiten und erschweren einen rechtzeitigen Behandlungsbeginn. Fachexpert:innen betonen, dass die Behandlung junger Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen spezialisierte Angebote erfordert, die nicht ohne Weiteres durch allgemeine psychiatrische Einrichtungen ersetzt werden können. Ein weiterer Abbau solcher Strukturen könnte langfristig schwerwiegende gesundheitliche und soziale Folgen nach sich ziehen.
Spezialisierte Hilfe ist nicht ersetzbar
„Wir können begleiten, aber wir können eine Therapie nicht ersetzen“
– Kyra Bornhorst, Einrichtungsleiterin der Drobs Rose Oldenburg
Mit der Schließung bricht ein wichtiger Pfeiler in der Suchthilfe und in der Unterstützung für Kinder und Jugendliche weg – eine alarmierende Situation, die auch überregional diskutiert und kritisiert wird. Auf Bundesebene hat sich bereits der Drogenbeauftragte der Bundesregierung Hendrik Streeck (CDU) zu der geplanten Schließung geäußert und setzt sich für den Erhalt der Klinik ein. Auch Mitarbeitende der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen zeigen sich besorgt. Kyra Bornhorst, Einrichtungsleiterin der Drobs Rose Oldenburg sowie Maria Steingrefer, Einrichtungsleiterin der Drobs Cloppenburg, stehen als erste Anlaufstelle für abhängigkeitserkrankte Menschen vor der Frage, wie sie betroffene Kinder und Jugendliche zukünftig weitervermitteln können. Beide stellen fest, dass vor allem die Niedrigschwelligkeit der Angebote durch den Wegfall der Klinik leidet: „Die bestehenden Angebote sind oftmals weit entfernt und die Zugänge sehr hochschwellig”, betont Maria Steingrefer in diesem Zusammenhang.
Fachexpert:innen warnen vor Versorgungsengpässen
Die Fachexpert:innen berichten übereinstimmend, dass es bereits jetzt schwierig ist, passende Therapieplätze für junge Menschen zu finden. Die Situation drohe sich weiter zu verschärfen, wenn ein zentrales Angebot dieser Art entfällt. Kyra Bornhorst bestätigt: „Für uns war die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik ein wichtiger Bestandteil in der sowieso schwachen Versorgungslage für junge abhängigkeitserkrankte Menschen. Wir schätzen es als herben Verlust für das bundesweite Suchthilfesystem ein.“
Eine Petition setzt sich für den Erhalt der Klinik ein und warnt vor einem „gesundheitspolitischen Versagen“. Sie macht auf die drastischen Folgen für die Versorgungslage aufmerksam und fordert ein Umdenken auf politischer Ebene.
Hier kann die Petition unterstützt und ein wichtiges Zeichen für den Erhalt dringend benötigter Therapieangebote gesetzt werden.