28. April 2026
Japanischer Delegationsbesuch aus Tokushima zum Thema „Suchtprävention und -therapie“ in Niedersachsen
Vom 9. bis 14. März 2026 begrüßten wir eine japanische Delegation aus Tokushima in Niedersachsen, die sich im Rahmen eines fachlichen Austauschs intensiv mit dem Thema „Suchtprävention und -therapie“ auseinandersetzte. Ziel des Besuchs war es, Einblicke in unterschiedliche Ansätze und Strukturen der Suchthilfe zu gewinnen sowie den internationalen Dialog zu stärken.
Besuch in den Einrichtungen
Im Verlauf der Woche besuchte die Delegation mehrere Einrichtungen der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen, darunter die Drobs Goslar, die Therapieschule Hannover und den Kontakt- und Konsumraum Stellwerk. Vor Ort erhielten die Gäste Einblicke in die praktische Arbeit, die Organisation der Angebote sowie in zentrale Herausforderungen der Suchthilfe in Niedersachsen.
Anna Pielken-Rieger, Einrichtungsleitung der Drobs Goslar, betonte, dass der Besuch die Chance bot, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen: “Internationale Perspektiven bereichern unsere Arbeit – es ist spannend zu hören, welche Ansätze in Japan verfolgt werden.”


Fachlicher Austausch und kulturelle Perspektiven
Sowohl in Japan als auch in Deutschland stellt Suchtverhalten mit seinen gesundheitlichen und sozialen Folgen eine bedeutende gesellschaftliche Herausforderung dar. Besonders der Konsum von Alkohol und daraus resultierende Abhängigkeitserkrankungen sind in beiden Ländern stark verbreitet. Als häufigste legale psychotrope Substanz nimmt Alkohol eine zentrale Rolle im gesellschaftlichen Leben ein – und damit auch in Prävention und Behandlung.
Moritz Radamm, Abteilungsleitung der Abteilung 1, war im Rahmen der Kooperation bereits selbst in Japan vor Ort. Aus fachlicher Perspektive hob er insbesondere die gewissenhafte und kompetente Arbeitsweise und die ausgeprägte Wissbegierde der Gäste hervor. Im Dialog seien zugleich kulturelle Unterschiede im Umgang mit Sucht deutlich geworden – etwa die stärkere Prägung durch Scham in Japan im Vergleich zum eher niedrigschwelligen Ansatz in Deutschland. Für die Delegation seien zudem einige Angebote neu gewesen, beispielsweise die Substitution oder der Umgang mit offenen Drogenszenen. Auch für die niedersächsischen Fachkräfte habe der Austausch neue Perspektiven eröffnet. Moritz Radamm führt aus:
„Die familienbezogenen und aufsuchenden Ansätze aus Japan habe ich als besonders spannend und bereichernd wahrgenommen.“

Themen aus der Praxis der Einrichtungen
Ein intensiver fachlicher Dialog entwickelte sich insbesondere in den einzelnen Einrichtungen. Die Delegation, bestehend aus vier Suchtexperten und zwei Begleitpersonen, traf sich mit Fachkräften aus niedersächsischen Einrichtungen, um Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Vitalij Kumann, Einrichtungsleitung des Stellwerks, betonte:
„Solche interkulturellen Begegnungen zeigen, wie wertvoll der internationale Dialog für unsere Weiterentwicklung ist.“
Auch Silke Liebherr, stellvertretende Einrichtungsleitung der Therapieschule Hannover, berichtet insbesondere von einem intensiven fachlichen Dialog zu unterschiedlichen Praxisfeldern. So zeigten sich die Gäste besonders interessiert am Umgang mit Transgender Klient:innen, etwa an der Verwendung des gewünschten Namens sowie an Regelungen zur Toilettennutzung.
Auch aktuelle Herausforderungen im Jugend- und Medienkontext wurden thematisiert. Unterschiede in den pädagogischen Rahmenbedingungen wurden dabei deutlich sichtbar. Silke Liebherr führt aus:
„Für mich war interessant, dass sie in Japan die Handys der Schülerinnen immer einsammeln, es gibt dort das Phänomen der Ablenkung durch Smartphones im Unterricht nicht.“

Fazit und Bedeutung des Austauschs
In den Einrichtungen der PSN wurden die Besuche durch Führungen der Einrichtungsleitungen begleitet. Ergänzend erstellte das Team Kommunikation Handouts in japanischer Sprache, die zentrale Informationen übersichtlich zusammenfassten und den Austausch unterstützten.
Insgesamt wurde der Austausch von beiden Seiten als offen, interessiert und fachlich bereichernd erlebt. Der Besuch unterstreicht die Bedeutung internationaler Zusammenarbeit in der Suchthilfe und zeigt, wie wertvoll der Blick über nationale Grenzen hinaus für die Weiterentwicklung von Prävention und Therapie ist.