26. Mai 2026
Hunde als Brückenbauer: Tiergestützte Arbeit in der Suchthilfe
Tiergestützte Arbeit gewinnt auch in der Sozialen Arbeit und Suchthilfe zunehmend an Bedeutung. Tiere können Zugänge schaffen, wo Gespräche allein oft nicht ausreichen: Sie wirken beruhigend, strukturierend und fördern Beziehung und Vertrauen.
Gerade in Einrichtungen, in denen Menschen mit psychischen Belastungen, Abhängigkeitserkrankungen oder traumatischen Erfahrungen begleitet werden, kann die Anwesenheit eines Tieres emotionale Stabilität stärken und neue Formen der Begegnung ermöglichen. Dabei steht nicht nur der Kontakt zwischen Mensch und Tier im Mittelpunkt – auch das Tierwohl und eine fundierte gemeinsame Ausbildung von Mensch und Hund spielen eine zentrale Rolle.
Erfahrungen aus der Jugendhilfe
Bereits in der damaligen Jugendhilfeeinrichtung der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen am Döhrener Turm wurden positive Erfahrungen mit tiergestützter Pädagogik gesammelt. Dort zeigte sich, dass Hunde im Alltag oft niedrigschwellige Gesprächsanlässe schaffen und Bewohner:innen dabei unterstützen können, Verantwortung, Selbstwirksamkeit und emotionale Sicherheit zu erleben.
An diese Erfahrungen knüpft nun auch die Wohnstätte Haus Kayhauserfeld an: Gemeinsam mit ihrer Hündin Sunniva absolviert Jasmin Schrandt, Einrichtungsleitung der Wohnstätte, derzeit eine Weiterbildung zum Therapiehundeteam. Die Fortbildung wird durch die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen gefördert.

Tiergestützte Arbeit im Alltag
Das Haus Kayhauserfeld begleitet chronisch abhängige Menschen im Rahmen der Eingliederungshilfe dabei, ihren Alltag neu zu strukturieren, Stabilität aufzubauen und persönliche Ziele zu entwickeln. Tiergestützte Arbeit kann diesen Prozess sinnvoll ergänzen.
Hunde begegnen Menschen wertfrei und unmittelbar – Eigenschaften, die besonders in der Arbeit mit abhängigkeitserkrankten Menschen von großer Bedeutung sein können. Schon jetzt ist Sunniva fester Bestandteil des Alltags in der Wohnstätte. Sie begleitet Jasmin Schrandt täglich zur Arbeit und wird von vielen Bewohner:innen aktiv in den Tagesablauf eingebunden.
Spaziergänge mit Sunniva werden zuverlässig übernommen, häufig auch bei schlechtem Wetter. Dabei entstehen Verantwortung, Tagesstruktur und gemeinsame Momente, die für viele Bewohner:innen bedeutsam sind. „Schnell wird deutlich, wie positiv Sunniva auf die Stimmung wirkt. Viele Bewohner:innen suchen von sich aus den Kontakt zu ihr und erleben dadurch Nähe, Ruhe und auch Motivation im Alltag“, berichtet Jasmin Schrandt. „In der Ausbildung zum Therapiehundeteam lernen wir nicht nur neue Methoden kennen, sondern auch sehr bewusst, die Grenzen und Bedürfnisse des Hundes wahrzunehmen. Genau dieses respektvolle Miteinander ist ein wichtiger Teil der tiergestützten Arbeit.“

Bewusstsein für Tierwohl und gegenseitigen Respekt
Auch aus Sicht der Bewohner:innen wird die Bedeutung der tiergestützten Arbeit spürbar. Ein Bewohner beschreibt die gemeinsamen Spaziergänge mit Sunniva so: „Wenn ich mit ihr unterwegs bin, fühle ich mich gebraucht. Das gibt einem irgendwie wieder eine Aufgabe.“
Die bisherigen Erfahrungen zeigen, welches Potenzial tiergestützte Arbeit auch in der Suchthilfe entfalten kann. Sie schafft Begegnung, stärkt soziale Beziehungen und eröffnet neue Zugänge im pädagogischen Alltag.
Mit der Förderung der Weiterbildung investiert die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen bewusst in einen Ansatz, der fachliche Arbeit ergänzt und Bewohner:innen auf besondere Weise erreichen kann. „Sunniva entwickelt sich in der Ausbildung sehr aufmerksam, lernfreudig und ausgeglichen“, sagt Jasmin Schrandt. „Ich freue mich darauf, die tiergestützte Arbeit künftig noch gezielter in unseren Alltag einzubinden und weiter auszubauen.“