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Kooperativ und informativ

Ansprechpartner

Pascal Dornuf, Fachreferent für Kommunikation, steht Ihnen gerne für Presseanfragen zur Verfügung. Er unterstützt Sie bei der Recherche nach relevanten Informationen und spannenden Geschichten rund um aktuelle Entwicklungen in der Suchthilfe. Auch bei der Vermittlung geeigneter Interviewpartner:innen zu sämtlichen Themenbereichen der Suchthilfe ist er Ihnen behilflich.

Presserefernt der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen - Pascal Dornuf

Auf Wunsch vereinbaren wir gerne einen Termin für einen Besuch in einer unserer Einrichtungen, damit Sie unsere Angebote und Arbeitsweise direkt kennenlernen können. Wir freuen uns auf Ihren Anruf oder Ihre Nachricht!

Schreiben Sie uns an: kommunikation@ps-nds.de
oder rufen Sie uns an unter: 0511 98931 – 16

FAQ

Informationen und Materialien

„freii“ - das neue App-basierte Präventionsangebot für bewusste Mediennutzung an Schulen (Hannover, 10.02.2026)

Digitale Medien gehören heute selbstverständlich zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Gleichzeitig berichten Eltern und Schulen zunehmend von eskalierendem Mediengebrauch: Hobbys werden vernachlässigt, schulische Leistungen leiden, und auch das soziale Miteinander gerät unter Druck. Vor diesem Hintergrund hat die gemeinnützige Villa Schöpflin das Programm freii entwickelt – ein softwarebasiertes, niedrigschwelliges Präventionsangebot, das gezielt in Schulen umgesetzt wird und Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte gemeinsam einbindet.

Zielsetzung von freii
freii stärkt Wissen und Handlungskompetenzen, reduziert Risiken und fördert gezielt Schutzfaktoren im Umgang mit digitalen Medien. Das 21-tägige Programm vermittelt einen bewussten und ausgewogenen Medienumgang und unterstützt Familien dabei, Mediennutzung und Freizeit besser in Einklang zu bringen.

Umsetzung an Schulen
freii wird im Klassenverband durchgeführt und ist fest in den schulischen Kontext eingebettet. Das Programm startet mit einer Auftaktveranstaltung in der Schule, die von geschulten Fachkräften begleitet wird. Nach drei Wochen findet zusätzlich eine gemeinsame Abschlussveranstaltung statt, in der Erfahrungen reflektiert und Erfolge sichtbar gemacht werden. Ein spielerischer Wettbewerb zwischen den teilnehmenden Klassen steigert die Motivation der Schüler:innen und macht den bewussten Umgang mit Medien erlebbar.

Zusammenarbeit mit der Drobs Hannover
Die Drobs Hannover - Fachstelle für Sucht und Suchtprävention war Kooperationspartner der Machbarkeits- und Effektstudie und übernimmt nun die Umsetzung von freii an Schulen in der Region Hannover. Christian Krüger, Sozialpädagoge der Drobs Hannover, der freii von Beginn an begleitet, erprobt und durchgeführt hat, erklärt: „freii lebt davon, dass Schulen, Klassen und Familien gemeinsam an einem Thema arbeiten, das alle betrifft. Der Austausch im Klassenverband und der kleine Wettbewerb zwischen den Klassen erhöhen die Motivation und machen Prävention im Schulalltag wirksam erlebbar.“

Zielgruppe und Ablauf
freii richtet sich an Schüler:innen im Alter von 11 bis 15 Jahren sowie an ihre Eltern und Erziehenden. Die Teilnahme erfolgt immer über die Schule. Nach der Auftaktveranstaltung nutzen die Familien die kostenlose freii-App zu Hause und bearbeiten täglich kurze Inhalte. So wird schulische Präventionsarbeit sinnvoll in den Familienalltag verlängert.

Interaktive Inhalte für Kinder und Jugendliche
Die Schüler:innen begleiten bei freii eine von vier Tourguides auf einer täglichen Abenteuerreise. Interaktive Inhalte, kurze Erklärvideos, Audiobotschaften, Tipps und kleine Challenges regen dazu an, das eigene Mediennutzungsverhalten zu reflektieren. Der tägliche Zeitaufwand beträgt lediglich drei bis sieben Minuten.

Angebote für Eltern und Erziehende
Auch Eltern und Erziehungsberechtigte werden aktiv eingebunden, da sie eine zentrale Rolle im Mediennutzungsverhalten ihrer Kinder spielen. freii unterstützt Familien dabei, konstruktiv über digitale Medien ins Gespräch zu kommen - ohne Streit oder Belehrung. Christian Krüger betont: „freii ist Prävention, die früh ansetzt und Schule und Familie miteinander verbindet. Modern, praxisnah und alltagstauglich.“

Datenschutz und Teilnahme
Die Teilnahme an freii ist anonym, kostenfrei und datenschutzkonform. Die App greift nicht auf Dateien auf Smartphone oder Tablet zu, und es werden keine personenbezogenen Daten gespeichert. freii leistet damit einen wichtigen Beitrag zur schulischen Mediensuchtprävention in der Region Hannover.

Weitere Informationen: www.freii.de

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Ansprechperson Paritätische Suchthilfe Niedersachsen gGmbH:
Pascal Dornuf
Fachreferent Kommunikation
Odeonstraße 14, 30159 Hannover
Tel: 0511 9893116
Mail: kommunikation@ps-nds.de | Web: www.paritaetische-suchthilfe-nds.de

↳ Version zum Ausdrucken
Positionspapier zum Umgang mit Lootboxen

Was sind Lootboxen?
Lootboxen sind virtuelle Schatzkisten/ Beutekisten (engl. ,,Loot"-,,Beute", ,,box"-,,Kiste"), die in vielen Videospielen entweder erspielt oder - häufiger - käuflich erworben werden können. Sie enthalten beispielsweise neue Spielfiguren, ein neues Aussehen der eigenen Spielfigur (,,Skin"), Ausrüstungsgegenstände oder Fähigkeiten für die Spielfigur. Oft kann ein Spiel ohne die zusätzlich erspielten / erkauften Lootbox-Inhalte nicht gewonnen werden oder der Spielfortschritt ist stark verlangsamt.

Vor dem Öffnen ist unklar, welche zufällig ausgewählten Inhalte sich in den Lootboxen befinden. Der Wert und Nutzen dieser Inhalte im Spiel können erheblich variieren. Wer an besonders seltenen Inhalten interessiert ist, braucht Geduld, finanzielle Mittel und Glück. Lootboxen werden oft zeitlich limitiert angeboten und werben mit großen Ersparnissen, um den psychischen Druck zu erhöhen. Häufig müssen mehrere Lootboxen gekauft werden, um den gewünschten Inhalt zu bekommen. Solche Spielmechaniken werden von Kritikern mit der Funktionsweise von Glücksspielen verglichen. Bisher werden Lootboxen von der Definition des Glücksspielgesetzes nicht erfasst und gelten als simuliertes Glücksspiel.

Welche Risiken und Gefahren können Lootboxen für Kinder und Jugendliche mit sich bringen?
Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen betrachtet Lootboxen insbesondere für Kinder und Jugendliche als problematisch, da verschiedene Mechanismen das Risiko von Suchtverhalten fördern und den Zugang zu Glücksspiel erleichtern. Es bestehen mehrere wesentliche Gefahren, die auf empirischen Studien und Erkenntnissen aus der Praxis der Suchtprävention basieren:

Einfacher Zugang und Verfügbarkeit
Lootboxen sind ein Bestandteil vieler digitaler Spiele, die Kindern und Jugendlichen leicht zugänglich sind. Die Omnipräsenz von Gaming-Plattformen und die Möglichkeit, auf Smart­phones und Tablets jederzeit und überall spielen zu können, führen dazu, dass diese Spiele und deren unregulierte Lootboxen rund um die Uhr verfügbar sind. Diese ständige Zugäng­lichkeit normalisiert glücksspielähnliches Verhalten und lässt die potenziellen Gefahren von Lootboxen in den Hintergrund treten.

Hohe Ereignisfrequenz und „Fast-Gewinne"
Lootboxen schaffen eine schnelle Abfolge von Belohnungserlebnissen, was das Potenzial für Suchtverhalten stark erhöht. Der rasche Wechsel zwischen Verlust und potenziellem Gewinn in Form der ersehnten virtuellen Inhalte weckt bei der spielenden Person kontinuierlich die Hoffnung auf einen Gewinn. Diese Ereignisfrequenz begünstigt die Entstehung von problematischem Spielverhalten, da Verluste kaum realisiert und stattdessen sofort durch die Aussicht auf die nächste Belohnung überlagert werden.

Verschleierung des realen Geldwertes durch In-Game-Währungen und Mikrotransaktionen
Lootboxen können häufig nur über interne Spielwährungen wie beispielsweise „Points" in der Fußballsimulation „EAFC" (ehemals „FIFA") erworben werden, die für Echtgeld gekauft werden müssen. Der Einsatz dieser künstlichen Währungen und die Möglichkeit, auch nur geringe Beträge zu investieren, senken die Hemmschwelle für den Kauf von Lootboxen und führen dazu, dass Kinder und Jugendliche schnell den Überblick über ihre Ausgaben verlieren.

Verlockende Gestaltung und Manipulation durch audiovisuelle Effekte
Lootboxen werden im Spiel häufig mit auffälligen Ton- und Lichteffekten präsentiert. Diese Effekte verstärken die Lust am Kauf. Sie sorgen auch dafür, dass „Fast-Gewinne" - das Erwecken eines baldigen Gewinns - besonders anziehend wirken und so das weitere Spielen und Kaufen von Lootboxen gefördert werden.

Kontrollillusion und „magisches Denken"
Lootboxen schaffen eine Kontrollillusion, indem Spieler:innen selbst entscheiden können, welche Lootbox sie öffnen und wann. Diese vermeintliche Kontrolle fördert die Annahme, den Spielausgang beeinflussen zu können, was kognitive Verzerrungen begünstigt und zu ,,magischem Denken" führen kann. Kinder und Jugendliche, die sich in einer „Glückssträhne" wähnen, könnten dazu neigen, vermehrt Lootboxen zu kaufen und somit ein problematisches Kaufverhalten zu entwickeln.


Position der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen

Aufgrund der hohen Gefährdungspotenziale fordert die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen konkrete Maßnahmen, um Kinder und Jugendliche besser vor den Risiken von Lootboxen zu schützen. Die folgenden Maßnahmen sind aus suchtpräventiver Sicht notwendig:

Verbot von Lootboxen für Minderjährige
Lootboxen sollten für Personen unter 18 Jahren unzugänglich gemacht werden. Die potenziellen Gefahren für Kinder und Jugendliche rechtfertigen diese Altersgrenze. Das Verbot der Nutzung von Lootboxen für Minderjährige ist in Ländern wie Belgien und den Niederlanden bereits in Kraft und schützt Kinder und Jugendliche dort vor den psychologischen Risiken.

Aufklärungsmaßnahmen in Schulen und Einbindung der Erziehungsberechtigten
Um den verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Spielen zu fördern, sollten präventive Maßnahmen zur Aufklärung über Glücksspiel und Lootboxen systematisch in Schulen integriert werden. Workshops, Projekttage und informative Veranstaltungen sind dabei essenziell, um Schüler:innen und Eltern für die Risiken von Lootboxen und glücksspielähnlichen Mechanismen zu sensibilisieren. Nur durch Aufklärung können Kinder und Jugendliche sowie Erziehungs­berechtigte die Gefahren realistisch einschätzen.

Verbot von In-Game-Währungen für Minderjährige
Die Nutzung künstlicher Spielwährungen, die mit Echtgeld gekauft werden, verschleiert den realen Geldeinsatz und erhöht das Risiko eines unbewussten Kostenanstiegs. Aus diesem Grund sollte die Verwendung von In-Game-Währungen für minderjährige Spieler:innen untersagt werden, um sie vor ungewollt hohen Ausgaben zu schützen und das Bewusstsein für den tatsächlichen Geldwert zu stärken.

Transparente Darstellung der getätigten Ausgaben bei Mikrotransaktionen
Vor jeder Transaktion in einem Spiel sollte der spielenden Person eine Übersicht über die Ausgaben der letzten 3(S) Tage eingeblendet werden. So wird der Überblick über die finanziellen Einsätze gefördert und die Gefahr eines Kontrollverlusts minimiert.

Verbot von Werbung für Lootboxen
Viele Streamer:innen und Influencer:innen zeigen das Öffnen von Lootboxen in ihren Videos und beeinflussen damit insbesondere ein jugendliches Publikum. Dies führt zu einer Verharmlosung und Normalisierung von Lootboxen und animiert Jugendliche zur Nachahmung. Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen fordert daher ein grundsätzliches Verbot von Werbung für Lootboxen.

Ausschreibung wissenschaftlicher Forschung zu präventiven Maßnahmen
Um die Wirksamkeit präventiver und regulatorischer Maßnahmen besser evaluieren zu können, sollten Studien zur Prävention im Bereich von Lootboxen durchgeführt werden. Diese Untersuchungen sind notwendig, um etwaige Effekte der dargestellten Maßnahmen nachzu­vollziehen und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.

Die zunehmende Vermischung von Spiel- und Glücksspielelementen in digitalen Spielen, insbesondere durch Lootboxen, stellt eine ernsthafte Bedrohung für die psychische Gesundheit und das finanzielle Wohl von Kindern und Jugendlichen dar. Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen fordert daher eine wirksame Regulierung und ein Verbot von Lootboxen für Minderjährige, um diese besonders vulnerable Gruppe zu schützen. Ein umfassender Jugendschutz und präventive Maßnahmen sind in diesem Bereich dringend erforderlich, um die Entwicklung von Spielsucht vorzubeugen und den gesetzlichen Schutzauftrag zu erfüllen. Es ist entscheidend, dass das Gemeinwohl und der Schutz junger Menschen über wirtschaftliche Interessen gestellt werden.

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