Jungen-Camp des Jungenarbeitskreis Hannover (JAK)

Das Silvanien-LARP – Suchtprävention durch Abenteuer und Gemeinschaft

intergrund und Konzept

Vom 12. bis 14. Juni verwandelte sich das jährliche Jungen-Camp des Jungenarbeitskreis Hannover (JAK) in das mittelalterliche Fantasieland „Silvanien“. Fast 75 Jungen im Alter von 9 bis 13 Jahren aus sieben Kommunen der Region stellten sich einer epischen Aufgabe: Das Reich Silvaniens vor finsteren Mächten und bösen Geistern zu retten. Als Methode wurde ein Live-Action-Role-Play (LARP) gewählt. Inmitten von dichten Wäldern, fiktiven Bedrohungen und mystischen Gestalten schlüpften die Teilnehmenden in die Rollen der „Guten“. Durch das Lösen komplexer Aufgaben und das Treffen kollektiver Entscheidungen lag das Schicksal Silvaniens ganz in ihren Händen. Die Drobs Hannover begleitete diese Aktion aktiv als Teil des JAK-Teams und unterstützte die im Setting angelegten suchtpräventiven und geschlechtsspezifischen Lern- und Entwicklungsprozesse.

Pädagogische Begründung und suchtpräventive Sinnhaftigkeit

Moderne Suchtprävention setzt heute primär bei der Stärkung von Lebenskompetenzen (Life Skills) an, so wie sie auch von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert werden. Das LARP-Konzept greift diese Anforderungen auf spielerische, aber hocheffektive Weise auf.

Förderung von Selbstwirksamkeit und emotionaler Resilienz

Im Alter von 9 bis 13 Jahren befinden sich die Jungen in einer kritischen Entwicklungsphase. In dieser Phase werden Identität und Selbstwertgefühl geformt. Das Spiel mit der Dunkelheit, den “bösen Geistern” und der eigenen Angst bietet einen geschützten Rahmen (Safe Space), um negative Emotionen zu erleben und im Kollektiv zu bewältigen. Die Erfahrung „Ich kann eine Bedrohung abwenden und mein Handeln hat Konsequenzen“ stärkt die Selbstwirksamkeitserwartung. Dies gilt in der Resilienzforschung als einer der stärksten Schutzfaktoren gegen späteres Suchtverhalten, da Substanzen oft als dysfunktionaler Bewältigungsmechanismus bei Gefühlen von Ohnmacht oder Überforderung eingesetzt werden.

Jungen-Camp des Jungenarbeitskreis Hannover (JAK)
Jungen-Camp des Jungenarbeitskreis Hannover (JAK)

Aufbrechen patriarchaler Rollenbilder und Förderung von Reflexion

Ein weiteres Ziel des Camps ist die kritische Auseinandersetzung mit geschlechtlichen Rollenbildern. Traditionelle Männlichkeitsnormen fördern häufig emotionale Härte, Einzelkämpfertum und das Verbergen von Schwäche. Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko für riskanten Substanzkonsum (insbesondere Alkohol und Cannabis) in Verbindung gebracht werden.

Das LARP bricht diese Muster auf:

  • Die Aufgaben in Silvanien lassen sich nicht durch rohe Gewalt lösen, sondern erfordern Empathie, Kooperation und Kommunikation.
  • Schwäche zu zeigen oder Hilfe zu suchen wird im Spielverlauf zur notwendigen Strategie, um das Land zu retten.

In den Reflexionsrunden der einzelnen Gruppen aus den verschiedenen Kommunen wurde der Transfer vom Spielcharakter zur eigenen Realität gezogen, was die Selbstreflexion der Jungen nachhaltig anregte.

Jungen-Camp des Jungenarbeitskreis Hannover (JAK)

Alternative Erlebniskultur versus Mediensucht

Mit Blick auf aktuelle Daten der KIM- und JIM-Studien verbringen Kinder und Jugendliche einen signifikanten Teil ihrer Freizeit in digitalen Welten. Gaming und soziale Medien bedienen das Bedürfnis nach Anerkennung, Abenteuer und Zugehörigkeit – bergen bei exzessiver Nutzung jedoch das Risiko einer Internetnutzungsstörung. Das LARP bietet hierzu ein analoges Äquivalent, das ähnliche psychologische Bedürfnisse nach Abenteuer, Anerkennung und Zugehörigkeit anspricht. Immersion (das Eintauchen in eine Welt), Statusgewinn in einer Gruppe und das Meistern von Herausforderungen. Der entscheidende Unterschied liegt im realen, körperlichen und sozialen Erleben. Die Jungen erfahren echte Gemeinschaft statt digitaler Isolation und erlernen eine gesunde, genussorientierte Freizeitgestaltung abseits von Bildschirmen.

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