Drogen-Info-Mobil in Hannover am Steintor

Vom Doppeldeckerbus zum E-Mobil: Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen entwickelt ihre Präventionsarbeit weiter

Das Drogen-Info-Mobil der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen hat über viele Jahre hinweg die Präventions- und Aufklärungsarbeit zu Abhängigkeitserkrankungen geprägt. Der markante Doppeldeckerbus, der u.a. von Mitarbeitenden der Drobs Hannover bei zahlreichen Veranstaltungen eingesetzt wurde, wird nun verabschiedet. Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen entwickelt ihre mobilen Angebote weiter und setzt künftig auf moderne, flexible E-Mobilität, um Menschen weiterhin direkt und niedrigschwellig zu erreichen.

Im Interview spricht Christian Krüger, Sozialarbeiter in der Drobs Hannover, über die Geschichte des Drogen-Info-Mobils, seine besondere Rolle für die Präventionsarbeit und darüber, warum die Zukunft der mobilen Angebote elektrisch unterwegs ist.

Das Drogen-Info-Mobil hat über viele Jahre die Präventions- und Aufklärungsarbeit der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen sichtbar begleitet. Welche Bedeutung hatte der Bus für die Arbeit?

Der Bus war weit mehr als ein Fahrzeug – er war ein echtes Symbol für unsere Arbeit und über viele Jahre ein vertrauter Anblick in der Region. Mit seinem auffälligen Erscheinungsbild hat er Aufmerksamkeit erzeugt und Menschen auf unkomplizierte Weise angesprochen. Er war „bekannt wie ein bunter Hund“. Oft entstand der erste Kontakt ganz selbstverständlich am Bus, bevor Gespräche über Sucht, Konsum, Risiken oder unsere Beratungsangebote entstanden. Für uns war der Doppeldeckerbus ein wertvolles Werkzeug, um Prävention und Aufklärung dorthin zu bringen, wo Menschen zusammenkommen. Er hat dabei geholfen, Berührungsängste abzubauen und den Zugang zu unseren Angeboten zu erleichtern.

Das Drogen-Info-Mobil im Einsatz

Wo war das Drogen-Info-Mobil im Einsatz?

Über mehrere Jahrzehnte war der Bus in der gesamten Region unterwegs. Mitarbeitende der Drobs Hannover nutzten ihn unter anderem bei Schulbesuchen, in Jugendzentren, auf Stadtteilfesten und bei zahlreichen Veranstaltungen. Dazu gehörten beispielsweise der Entdeckertag der Region Hannover oder die Fête de la Musique.

Rund um die Jahrtausendwende war der Bus außerdem auf verschiedenen Techno-Festivals im Einsatz, wo wir niedrigschwellig Safer-Use Informationen, Pilltesting sowie Beratung rund um Konsumerfahrungen angeboten haben. Auch an zentralen Orten in Hannover, wie dem Steintor, dem Lindener Marktplatz oder an der Christuskirche, war er regelmäßig präsent. Viele Menschen verbinden bis heute Erinnerungen und Begegnungen mit diesem besonderen Fahrzeug.

Das Drogen-Info-Mobil am Steintor in Hannover

Nun wird der Doppeldeckerbus verkauft. Welche Gedanken begleiten den Abschied?

Natürlich ist der Abschied mit vielen Erinnerungen verbunden. Ich selbst war rund 30 Jahre mit dem Bus unterwegs und habe unzählige Begegnungen erlebt. Der Doppeldeckerbus war ein Stück Geschichte unserer Arbeit und hat unsere Präsenz in der Region sichtbar gemacht.

Gleichzeitig verändern sich die Anforderungen an unsere Präventions- und Aufklärungsangebote. Deshalb verabschieden wir uns mit großer Wertschätzung von diesem Kapitel und freuen uns, dass der Bus in Süddeutschland als Event-Fahrzeug weiter genutzt wird.

Wie sieht die Zukunft der mobilen Präventions- und Aufklärungsarbeit bei der Paritätischen Suchthilfe Niedersachsen aus?

Die Paritätische Suchthilfe Niedersachsen setzt künftig auf elektrische Fahrzeuge. Die E-Mobile bieten uns neue Möglichkeiten: Wir können flexibler unterwegs sein, mehr verschiedene Einsatzorte erreichen und auch Bereiche anfahren, die für den schweren Doppeldeckerbus nicht geeignet waren.

Darüber hinaus ermöglichen die kleineren und nachhaltigeren Fahrzeuge eine bedarfsgerechtere Planung unserer Einsätze. Gleichzeitig reduzieren wir den ökologischen Fußabdruck unserer Arbeit und setzen ein Zeichen für eine zukunftsorientierte Mobilität.

Welche Botschaft verbindet sich mit diesem Schritt?

Unsere Aufgabe bleibt unverändert: Wir möchten Menschen mit Informationen, Präventionsangeboten und Unterstützung rund um Konsum und Abhängigkeitserkrankungen erreichen – direkt, verständlich und möglichst niedrigschwellig.

Der Doppeldeckerbus hat dabei über viele Jahre einen wichtigen Beitrag geleistet und wird uns als besonderes Kapitel in Erinnerung bleiben. Mit den E-Mobilen gehen wir nun einen weiteren Schritt und entwickeln unsere Angebote weiter. Die Form der mobilen Arbeit verändert sich – unser Ziel bleibt dasselbe: Menschen zu erreichen und Prävention dort anzubieten, wo sie gebraucht wird.

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